Vor einem guten Jahr habe ich kurz nach Release das Spiel Clair Obscur: Expedition 33 das erste mal gestartet. Bis dato hatte ich einige spoilerarme Rezensionen gesehen. Das Gamplay des rundenbasierten Kampfes hat mich nicht so sehr abgeholt. Aber immer wieder wurde die tolle visuelle Darstellung, die herzergreifend traurige Story und auch die Musik besonders hervorgehoben. Dann habe ich mich ungefähr 12 Stunden lang auf der „Expeditioner“ Schwierigkeit durch den ersten Akt gestorben und das Spiel erst einmal wieder weggelegt.
Vor etwa einem Monat habe ich mich dann wieder herangewagt, meinen Stolz heruntergeschluckt und auf „Story“ Schwierigkeit herunter gestellt. Ehrlich gesagt ist „Story“ wiederum zu einfach, ein Mittelding wäre für mich besser gewesen. Aber so konnte ich guten Fortschritt im Spiel erzielen ohne den Controller frustriert gegen die Wand zu werfen.



Ein visuelles und akustisches Kunstwerk
Dabei hat sich die Musik dann aber ziemlich in meinem Ohr festgesetzt. Ich wusste schon, dass es die Konzertreihe Clair Obsur: A Painted Symphony gibt, und tatsächlich gab es zu dem Zeitpunkt noch 2 Vorstellungen in Frankreich, zu denen noch Karten verfügbar waren. Diese waren in Nancy und in Toulon, wobei letzteres noch viel weiter von mir weg liegt. Die Vorstellung im Zenith du Grand Nancy war aber auch nur noch eine Woche entfernt. Ein bisschen hin- und hergerissen, habe ich Kollegen, Freunde und Bekannte gefragt, ob ich für ein etwa zweistündiges Konzert die knapp 500km weite Anreise auf mich nehmen sollte. Tatsächlich habe ich nur von wenigen Zuspruch bekommen, einer aber meinte, ich würde mich vermutlich den Rest meines Lebens ärgern, wenn ich es nicht mache.
Und so hab ich schlussendlich am Montag vor der Vorstellung den Abzug auf die Karten gezogen. Mit einem Preis von ~65€ gar nicht mal so aus der Welt. Nicht die besten Karten, aber der Klang sollte wohl gut genug sein. Noch schnell Zeitausgleich für den Freitag und der Plan war besiegelt. Um dem Berufsverkehr aus dem Weg zu gehen, wollte ich morgens früh los, den Tag über in Nancy verbringen, abends zum Konzert und nachts direkt wieder zurück.
Anreise
Der Freitag Morgen begann mit dem Wecker um 4:30 – dank der senilen Bettflucht im Alter kein großes Problem. Nach dem Frischmachen habe ich erst einmal eine 1l Thermoskanne mit Flat-White Kaffee befüllt. Die Idee war gut, so hätte ich etwa für jede Stunde Fahrt einen Becher Kaffee gehabt. Ganz normaler Kaffeekonsum für mich. Um 5:45 saß ich im Auto, hab noch schnell vollgetankt und war kurz nach 6 schon auf der Autobahn. An Düsseldorf und Köln war ich vor Peak Berufsverkehr schon vorbei. Die Fahrt war so ereignislos, dass ich mir den ganzen Liter Kaffee in einer guten Stunde ins Gesicht gekippt habe. Mit ein bisschen Herzrasen setzte gegen 9 Uhr langsam ein Hüngerchen ein. Der Regen, der bis hierhin ständiger Begleiter war, hatte vor Luxemburg kurz ausgesetzt. Also runter von der Bahn und in Richtung einer Bäckerei. Dort angekommen habe ich erst realisiert, dass ich gerade die Grenze zu Luxemburg überquert habe. Also gab es mit 2 belegten Brötchen das Frühstück schon in einem anderen Land.
Nach einer halben Stunde Pause habe ich mich wieder auf den Weg gemacht. Der Regen setzte wieder ein und ich bin in einem Stück die restliche Strecke nach Nancy durchgefahren. Ich hatte mir im Vorfeld schon eine zentrumsnahe Tiefgarage mit halbwegs humanen Preisen herausgesucht, in die ich um kurz vor 12 eingeritten bin und habe das Auto dort stehen gelassen.
Kulinarisches Sightseeing
Mit erneut aufkeimendem Hunger, habe ich mich in Richtung Place Stalislas begeben und mir einen Überblick über die umliegenden Restaurants und Cafés gemacht. Nach etwa einer Stunde musste ich mich langsam entscheiden, da viele Läden dort Nach Mittag bis zum Abend schließen. Ich bin dann im Casa Zaza eingekehrt und habe mir ein Tomahawk Steak vom Schwein und 2 Brooklyn Indian Pale Ale gegönnt. Mit vollem Bauch war ein Verdauungsspaziergang fällig. Hier hat Nancy ein paar wirklich schöne Parks zu bieten. Überhaupt ist die Stadt ziemlich schön.






Neben dem Sightseeing hatte ich noch 2 To-Do’s auf meiner Bucket List, die vor dem Konzert erledigt werden wollten. Wenn ich schon mal in der Region bin, musste ich auf jeden Fall eine lokale Quiche Lorraine essen und eine Packung Macarons de Nancy mitnehmen. Beides habe ich am Nachmittag ergattern können. Wobei letztere wohl in die Kategorie Touristenfalle gehören dürfte. 19€ für 24 Kekse. Lecker, ja – aber schon sehr happig bepreist.
Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass ich bestenfalls 5 Worte auf französisch kenne? Auf der ganzen Reise hat mich das aber vor kein Problem gestellt. So gut wieder jeder mit dem ich gesprochen habe, sprach hinreichend englisch. Das Vorurteil meiner Elterngeneration, die Franzosen wollten nicht englisch reden, ist wohl nur jenes, ein (falsches) Vorurteil.

Einlass
Abends gegen 19:30 habe ich mich dann wieder beim Auto eingefunden, um zum 17 Minuten entfernten Zenith zu fahren. Die Parkplatzeinweisung hat gut funktioniert. Die Bewährungsprobe der Einweiser sollte aber noch bei der Ausleitung erfolgen. Ich hatte eigentlich gehofft, noch was an Merch abgreifen zu können, aber für die echten Fans ist ne gute Stunde vor Showbeginn wohl doch etwas spät. Demensprechend war die Schlange bestimmt schon 100m lang. Kein Merch für mich also.




A Painted Symphony
Das Konzert Clair Obscur: A Painted Symphony fing kurz nach 21 Uhr an und lief für etwa 3 Stunden – abzüglich einer kurzen Pause. Und was soll ich sagen. Viele der memorablen Stücke aus dem Spiel wurden gespielt. Mein Platz war dann doch recht weit weg von der Bühne und ich bin auch ohnehin eher der Typ, der die Show genießt und sich nicht mit Fotos oder Videos aufhält. Daher habe ich nur eine Handvoll Schnappschüsse gemacht. Die Energie der Show – gerade zum Ende hin – war wirklich atemberaubend. Nichts davon ließe sich mit einer Kamera einfangen. Auch wenn es andere versuchen. Darum hier nur ein paar niedrig qualitative Beweise, dass ich da war.


Rückfahrt
Nach dem Konzert habe ich etwa eine halbe Stunde im Auto gewartet, bis keine langen Schlangen mehr auf dem Parkplatzbereich sichtbar waren. Dann bin ich losgefahren und hab mir eine Spur von einem Einweiser zuweisen lassen. Der Verkehr wurde so 4-spurig in alle Himmelsrichtungen abgeleitet. Natürlich haben ein paar Blitzbirnen dennoch versucht, wild die Spuren wechseln zu wollen, weil das Navi was anderes gesagt hat. Das führt natürlich nur unnötig zu Stau. Ziemlich gut organisiert waren die Einweiser aber und auch auf Zack, um bei solchen Manövern dazwischen zu gehen.
Ich hatte in jedem Fall eingeplant, eine Runde Schlaf auf der Rückfahrt zu nehmen und habe dazu in Luxemburg auf einem Rastplatz gehalten. War aber wohl nicht lang genug, 2 Stunden vor der Rückkehr zu Hause wurde es doch noch mal zäh, sodass ich hier von der Bahn runter bin, um an einem abgelegenerem Ort noch mal eine Stunde zu schlafen. Das nächste Mal nehme ich vllt. doch eher nen Hotelzimmer, wenn ich so ne Tour mache. Irgendwie bin ich ja doch keine 25 mehr.






